Kalter Krieg : Yalu - An den Ufern des dritten Weltkriegs

Yalu - An den Ufern des dritten Weltkriegs

EUR 24,90


In Korea fochten die Kombattanten des Kalten Krieges in den Jahren 1950 bis 1953 einen „heißen“ Stellvertreterkrieg. Der Fluss Yalu markierte dabei die Grenze, an der sich das Überleben der Menschheit entschied. Und es war, wie uns Jörg Friedrich mit seinem erschütternden Buch ins Bewusstsein bringt, eine äußerst knappe Entscheidung, die sehr wohl anders hätte ausgehen können. Für den Fall nämlich, dass die USA den Yalu nach Norden überschritten hätten, um Städte in China anzugreifen, deren von der Sowjetunion mit immer neuem Nachschub versorgte Soldaten an der Seite Nord-Koreas gegen Süd-Korea und die ihnen beigesprungene, US-geführte UN-Streitmacht kämpften, war eine Ausweitung des Krieges mit unabsehbaren Folgen vorprogrammiert. Am Yalu stand die Welt, wie es im Untertitel ohne jede Übertreibung zutreffend heißt, „an den Ufern des dritten Weltkriegs“. Profund recherchiert und in meisterlicher Erzählung rekapituliert Jörg Friedrich die Geschichte dieses mörderischen Krieges -- und führt dem Leser eindrücklich vor Augen, wie knapp die Welt damals noch einmal davon gekommen ist. Korea freilich lag am Ende in Schutt und Asche. Eindringlich schildert Friedrich die alles verwüstende Vernichtungsmaschinerie, die sich hier entlud, weil sie sich andernorts nicht entladen durfte. Gewichtige US-Strategen, allen voran Oberbefehlshaber General Douglas Mac Arthur, wollten dem vorzeitig ein Ende machen und drängten auf den Einsatz von Atomwaffen gegen China, mit denen man ja schließlich auch in Japan so „gute“ Erfahrungen gemacht hatte. Schauerlich authentisch liest sich das von Friedrich rekonstruierte innere Ringen von Generalstab und Regierung der USA. Und man begreift, wie nah am Abgrund die Welt damals am Yalu tatsächlich stand. -- Andreas Vierecke

Die Welt am Abgrund - Über Ursachen, Schrecken und Tragweite des Korea–Kriegs hat man uns wenig Objektives erzählt. Allenfalls war es die einfältig–einseitige Verdummungsmaschinerie des USA–hörigen Westens. Es ist das Verdienst von Jörg Friedrich, die Welt mit diesem Buch endlich mit objektiven und genau recherchierten Informationen aufzuklären.Aufzuklären über die Selbstverständlichkeit, mit der US–Amerikaner und Chinesen gleichermaßen dieses Land, das nicht das Ihre war, mit Krieg überzogen und verwüsteten. Anders als im Fall Deutschland oder Japan hatte man nicht einmal als Vorwand für die Verbrechen am koreanischen Volk, daß diese Menschen für die Sünden ihrer Regierung zu büßen hätten.Aufzuklären, mit welch einer frevelhaften Selbstverständlichkeit, das Atominferno über chinesische und sowjetische Großstädte von den USA geplant wurde und wie man damit damals fahrlässigst mit dem Schicksal unserer Erde spielte. Entlarvend für diese Unmenschlichkeit und Geschäftsgier die damalige Aussage des künftigen US–Präsidenten Eisenhower: Er halte es für unmoralisch, eine Waffe wie die Atombombe, die soviel gekostet habe, nun nicht einzusetzen. Solcher Art waren unsere Verbündete.Aufzuklären schließlich, daß es mit Joseph Stalin in Moskau eine Persönlichkeit gab, die weise, wenn auch gerissen, diese Eskalation verhindern konnte. Die Welt verdankt ihm viel.

Yalu? Kenn ich nicht - Yalu, der Grenzfluss zwischen Nordkorea und der Mandschurei, ist als Ortsbezeichnung kaum noch bekannt, nicht einmal unter alten Leuten, obwohl dort vor einem halben Jahrhundert erheblich mehr unschuldige Leute umkamen, als etwa in Auschwitz. Sie wurden auch nicht erst vergast und dann verbrannt, die Vergasungsphase wurde in diesem Falle übersprungen. Man kann den Ort auch nicht aufsuchen um ihrer zu gedenken, das angrenzende Land ist seit über 50 Jahren unzugänglich für Ausländer.Diesen Menschen wurde auch gar nichts Böses vorgeworfen, im Gegenteil, kaum ein halbes Dutzend Jahre früher waren sie befreit worden, am Ende eines langen Krieges gegen das Land, das sie 50 Jahre lang unterjocht hatte. Inzwischen unterstützte dieses Land den neuen Konflikt in seinen ehemaligen Besitzungen, dieser Krieg wiederum richtete sich vor allem gegen die Länder, die vormals bei der Befreiung mitgeholfen hatten. Die damals Befreiten spielten auch diesmal nur noch eine Opferrolle, wie ehedem.Es ist hier natürlich vom Koreakrieg die Rede, der 1950 ausbrach, und in zwei Phasen verlief, die der Autor im Detail schildert anfangs ein hauptsächlich am Boden ausgetragener Bewegungskrieg und danach die Zerstörung Nordkoreas aus der Luft während der langen Waffenstillstandsverhandlungen. Zwar bietet das Buch eine sehr detaillierte Schilderung der Kampfhandlungen am Boden und in der Luft, seine Bedeutung liegt aber eher in den Seiten, die der Vorgeschichte dieser Zeit und einem Ausblick auf die weitere Entwicklung der Welt gewidmet sind.Jörg Friedrichs anderes großes Werk, Der Brand hatte im wesentlichen den Luftkrieg gegen Deutschland im 2. Weltkrieg zum Thema. Es schilderte jedoch auch die historische Entwicklung der Tötung von Zivilisten und der Zerstöung ihrer Wohnstätten durch Angriffe aus der Luft, die Methode war im ersten Jahr des 1. Weltkriegs mit einem noch bescheidenen französischen Angriff auf Freiburg i.Br. eingeläutet worden und nahm dann schon bald ganz konkrete Formen an. Erstaunlicherweise hat es Leser des Buches gegeben, die auch nach der Lektüre immer noch der im Grunde wohltuenden Vorstellung nachhingen, so etwas wäre nach dem 1. Weltkrieg wieder völlig aus der Kriegsmode verschwunden, wenn die Deutschen nicht 1937 im Spanischen Bürgerkrieg die (immerhin umkämpfte) Stadt Guernika und nicht drei Jahre später das in England gelegene Coventry angegriffen hätten. Aus einer solchen Sicht heraus konnte man wenigstens Klagen der Deutschen über das ihnen angetane Leid auf sie selbst zurücklenken und auch die Deutschen selbst konnten weiterhin glauben, in einer zwar harten, aber wenigstens gerechten Welt zu leben.Was die drei Millionen Koreaner betrifft, die dem Autor zufolge primär mit Napalm erledigt wurden, können sie in keiner Weise als Menschen angesehen werden, die irgendwie schuldhaft zu ihrem eigenen Unheil beigetragen hätten und insofern stellen sich auch die hinsichtlich der Deutschen oder der Japaner herangezogenen Erklärungen als nicht hinreichend heraus. Die koreanischen Bauern wurden ausgerottet, weil man nicht in der Lage war, gegen die wahren Gegner in diesem entsetzlichen Spiel anzugehen.Wie es zu dieser Impotenz kam, beschreibt Jörg Friedrich in einer Analyse der politischen Entwicklungen des Jahrzehnts, das dem Koreakrieg vorausgegangen war. Bis zur Berliner Blockade 1948 waren die Dinge auf amerikanischer Seite von einer einzigen Serie von katastrophalen Fehleinschätzungen der tatsächlichen Gefahrenlage gekennzeichnet, man hatte den ganzen 2. Weltkrieg hindurch einen Gegner hochgepäppelt, der dann 1945 fast an der Nordsee stand und ein paar Jahre danach auch die gesamte pazifische Westküste bedrohte.Aus der Unfähigkeit heraus, in Korea zu siegen, erwuchs ein Dutzend Jahre später das Desaster von Vietnam und man ist nicht erstaunt zu sehen, dass auch die Überfälle auf Afghanistan oder den Irak in jüngster Zeit sich als totale Irrwege der Vereinigten Staaten herausstellen.In dieser Hinsicht ist Friedrichs Darstellung der Stalinschen Einstellung zu einem Dritten Weltkrieg (S. 527) von großem Interesse. Der Diktator sah eine fortgesetzte Abfallbewegung von den USA voraus, in der Rußland Rat und Hilfe bietet, die Offensive der internationalen Friedenskräfte gegen den Weltkriegstreiber würde erst nach einer Zurückdrängung der USA auf deren Kontinent Erfolg versprechen. Irgendwie scheinen sich derartige Aussagen in gewissen Ansätzen langsam als zutreffend herauszustellen.Seine Sporen hat sich der Autor hat als Privatsekretär eines der amerikanischen Ankläger in Nürnberg, Robert Kempner, verdient, der u.a. das Wannsee-Protokoll in die Verhandlungen eingebracht hat. Diese Tätigkeit hat ihm ohne Zweifel einen tiefen Einblick in die verschlungenen Wege politisch-militärischer Entscheidungen verschafft und vielleicht auch den distanzierten Charakter seiner geschichtlichen Beurteilungen geformt.All diese Gedanken drängen sich mit Jörg Friedrichs Buch auf, doch macht der Autor seinem Leser die Lektüre sehr schwer, sein Stil ist noch eigenwilliger als in Der Brand. Friedrich unterwirft uns mit Gedankensprüngen einem Sperrfeuer hin- und herzuckender Aussagen, die alle durchaus interessant sind, jedoch immer wieder darunter leiden, dass Pronomina jeglicher Art willkürlich, völlig regellos, ja regelwidrig gebraucht werden, sodass man nie genau weiß, worauf sich irgendein neuer Satz eigentlich bezieht. In Der Brand war so etwas noch gerade akzeptabel, denn es wurden dort in der Hauptsache einzelne Ereignisse beschrieben, während der Yalu-Bericht eine geschichtliche Etnwicklung darstellt, hier leidet die Gedankenfolge sehr unter solchen Unarten.Dennoch: wenn man am Ende angekommen ist, sieht man die Welt nüchterner, und das ist gut so.

Historisch top aber gewöhnungsbedürftiger Stil - Man erfährt so einiges in diesem Buch, das bislang im Dunkeln lag. Der kalte Krieg war weit heißer als dies damals durch die Medien drang. Und die Hintergründe, inneren Konflikte und politischen Intrigen, die sich damals abspielten sind noch nirgens so plastisch beschrieben worden. Dass der Koreakrieg ein globaler Konflikt war mit dem sovjetischen Faustpfand Europa wird in diesem Buch erst richtig klar.So spannend das Buch einerseits zu lesen ist - es läuf vor Informationen teils geradezu über - so schwer habe ich mich mit Jörg Friedrichs Stil getan. Die ihm eigene subtile Ironie (in DER BRAND noch sehr sparsam eingesetzt) macht es manchmal recht schwer, eindeutig zu erfassen, was er meint. So blieb bei mir doch einiges vor meinem geistigen Auge im Dunklen, was er beleuchtete.Trotzdem habe ich es bis zum Schluss gelesen, denn er hat es fertig gebracht das Lokale in das Globale einzuordnen. Darin liegt wohl der Wert dieses Buchs.

Hervorragend recherchiert und spannend erzählt - Jörg Friedrich erzählt die Geschichte des Kalten Krieges in seinen Anfängen derart raffiniert und spannend, dass man das Buch einmal angefangen nicht mehr loslässt. Hervorzuheben ist die gelungene Darstellung der Gedankenspiele und der Psyche der Aktuere, die das Prinzip der nuklearen Abschreckung in seiner monströsen Gesamtheit vor Augen führt.




Yalu - An den Ufern des dritten Weltkriegs