
Der Krieg um die letzten Ressourcen der Erde hat begonnen... - Es ist nicht lange her, da verfolgten höchstens ein paar unverbesserliche Nostalgiker, was auf den Märkten für Rohöl, Erdgas oder Kohle, für Eisen, Kupfer oder Nickel los ist. Solche Güter waren billig und im Überfluss vorhanden, kurzum: irrelevant und uninteressant. Überhaupt Rohstoffe: Das roch nach Bergwerk, nach Staub und Schweiß, nach 19. Jahrhundert. Ohne jeglichen Glamour. Das hat sich gründlich geändert. Die Klassiker sind auf einmal knapp und teuer geworden, die Preise erreichen immer neue Rekordstände, nie waren die Bodenschätze so begehrt wie heute.Alexander Jung im Vorwort zur Taschenbuchausgabe von Der neue kalte Krieg - Kampf um die Rohstoffe, Seite 9Wer regelmäßig den SPIEGEL gelesen hat, wird die gleichnamige Artikelserie bzw. den Themensonderband Der neue kalte Krieg schon kennen. Der Inhalt bringt wenig neue Erkenntnise, von denen man im Lauf der letzten Jahre nicht schon ausreichend gehört hätte. Wir leben in einem Zeitalter der Versorgungsangst, wie es der amerikanische Energieexperte Daniel Yergin bezeichnet. Staatliche Unternehmen wie Aramco erhalten mehr Macht und Nationen wie Russland und Venezuela nutzen ihre staatlichen Ölgesellschaften zu ihrem politischen Vorteil, womit sie effektive Waffen gegen die EU oder auch die USA besitzen.Der neue kalte Krieg ist ohne klare Fronten, der nukleare Holocaust ist dem rohstofflichen Super-GAU und dem Kollaps der Weltwirtschaft gewichen. Bürgerkrieg wie in Nigeria, dem Kongo und dem Irak geben bereits jetzt einen Vorgeschmack auf die Erschütterungen, die nur lokal begrenzte Konflikte auf die Preise am Weltmarkt haben können. Schon bei den Massakern im Ost-Kongo kamen Schreckensszenarien in Umlauf, als die bedeutenden Coltan-Lagerstätten unzugänglich wurden und Unternehmen wie Sony von einer günstigen Rohstoffversorgung für mikroelektronische Bauteile abgeschnitten zu sein schienen.Doch neben Öl, Gas und Kohle gehörten auch weniger knappe Rohstoffe wie Diamanten, Kaffee, Edelmetalle, Eisen und Zucker zu den begehrtesten Gütern. Der vorliegende Band gibt in gewohnter Spiegel-Manier einen Einblick in die Diamenten-Börse Hollands, den Bau neuer Pipelines, die Suche nach neuen Rohstoffquellen, Wandlungen am Weltmarkt sowie der Suche nach alternativen Energieträgern. Dabei kommen mit Daniel Yergin, Ex-BP-CEO Lord John Browne, Jim Rodgers und Fritz Vahrenholt in Interviews auch Experten zu Wort.Fazit:Ein Buch mit sehr wenig neuen Erkenntnissen, das es aber gut schafft die Allgemeinplätze in typischen SPIEGEL-Stil zusammenzufassen. Als simple Einführung in die Thematik allemal akzeptabel.
solide und knapp - Der neue kalte Krieg - Kampf um die Rohstoffe ist eine Zusammenstellung einer ganzen Reihe an Spiegel-Artikeln zum Thema Rohstoffe weltweit. Es werden dabei nicht nur Energieträger betrachtet, sondern auch die globale Situtation für Edelmetalle, Kaffee, Zucker oder auch Diamanten. Das Buch beinhaltet neben analytischeren Teilen auch Interviews und Reportagen. Vorneweg: Hier wird das Rad nicht neu erfunden und es werden keine revolutionären neuen Einsichten entwickelt. Die Zusammenstellung dieser verschiedenen Arbeiten ist vielmehr als Einstieg gedacht. Den Autoren geht es darum, ein möglichst umfassendes Bild des globalen Warenhandels zu vermitteln, ohne jeden Markt voll zu durchdringen. Und das ist ihnen grundlegend gelungen: Das Buch ist nicht zu abgehoben, die einzelnen Abschnitte sind kurz und prägnant und eingestreute Interviews oder Reportagen sorgen für Abwechslung. Das wichtigste: Die Darstellung bleibt im großen und ganzen sachlich, Wertungen werden m.E. größtenteils unterlassen.Sicherlich könnte man als Kritik anführen, dass vieles, was die Märkte treibt, nicht gebracht wird. Zu Stichworten wie peak oiloder auch dem Weltzuckermarkt lassen sich sicher Unmengen interessanter Meinungen und Theorien anführen. Und es gibt mit Sicherheit auch zu jedem Markt andere Zahlen oder Einschätzungen. Außerdem gehen die Beiträge vom Fachlichen her nicht sehr tief und kratzen lediglich etwas an der Oberfläche, indem sie dem Leser zwar ein gut strukturiertes, aber letzten Endes nur grobes Bild vermitteln. Persönlich stört mich der penetrante, manchmal leicht ironische Spiegel-Stil, der sich durch das ganze Buch zieht, zudem trifft man hier und da auf Wortgebilde, die auch in Boulevardzeitungen zu finden sind. Die eine oder andere Grafik hätte sicher auch nicht geschadet.(Wirtschafts-)Politisch Interessierte, die einen raschen, teilweise kurzweiligen Überblick über dieses weite Thema suchen, werden sicher zufrieden sein. Das Buch eignet sich auch gut als Einstiegslektüre um einen Gesamteindruck über den weltweiten Warenhandel zu bekommen. Fachleute und Leser die eine Abhandlung auf akademischen Niveau oder tiefgründige Einsichten erwarten, sei aber eher von der Lektüre abgeraten. Mit Sicherheit ein solides Werk, das die Situation auf den globalen Rohstoffmärkten interessant, abwechslungsreich, aber auch sehr knapp darstellt.