Kalter Krieg : Der Kalte Krieg 1947-1991: Geschichte eines radikalen Zeitalters

Der Kalte Krieg 1947-1991: Geschichte eines radikalen Zeitalters

EUR 24,90


Pflichtlektüre - Ein Muss für an dieser Zeit Interessierte: Stöver bietet ein umfangreiches, tiefgreifend recherchiertes Kompendium des Kalten Krieges mit dicht gepackten Informationen, das trotzdem gut zu lesen ist. Während J.L. Gaddis in seinem gleichnamigen Werk mehr die politisch-historische Komponente (berechtigte fünf Sterne weil informativ, sehr flüssig und mitreißend geschrieben) beleuchtet, zieht B. Stöver wesentlich weitere Kreise: hin zu den militärischen Entwicklungen, den gesellschaftlichen Auswirkungen ebendieses Wettrüstens, er beschreibt die Einflüsse auf Literatur, Musik, Theater, Radio, Fernsehen, Sport, Wirtschaft. Und er sieht den Kalten Krieg nicht nur als ein bipolares Geschehen, sondern er bezieht auch China angemessen ein: sein allmähliches Ausscheren aus den Umarmungen des Großen Bruders UdSSR, seine eigenen politischen, territorial-hegemonialen Interessen. Somit wird das Werk ein umfassendes Dokument über die Auswirkungen des Kalten Krieges auf das gesamte Weltgeschehen in all seinen Bereichen.

Eine spannende Zeit im Überblick - Als 1991 der Kalte Krieg zu Ende war, sprachen die Historiker von Ende der Geschichte. Nun seither ist in der Welt auch noch einiges passiert, aber eine Zusammenfassung einer Zeit, die uns absurde, wenn auch nicht moralisch einwandfreie, Technik beschert hat, ist ein spannender Lesestoff.Genau diesen bietet das vorliegende Buch auf mehr als 500 spärlichillustrierten Seiten - Atomrüstung, Interkontinentalraketen, Dritte Welt,Terrorismus, Berliner Mauer, Vietnam, Afghanistan, Friedensbewegung,... -in den 45 Jahren zwischen 1947 und 1991 ist zweifellos viel geschehen, das es wert ist, einmal zusammengefasst gelesen zu werden.

Eine exzellente Übersicht - Der Autor legt eine umfangreiche und dennoch sehr lesbare Geschichte des Kalten Krieges vor, die sich anders als das ebenfalls sehr empfehlenswerte Werk Der kalte Krieg von Gaddis nicht so sehr auf das Verhältnis der beiden Supermächte und die dort handelnden Personen konzentriert, sondern breiter angelegt ist und beispielsweise auch ausführlich auf die Auswirkungen des Kalten Krieges auf die Alltagskultur oder die unterschiedlichen Sozialsysteme eingeht. Anders als Gaddis versucht Stöver nicht die Ereignisse durch politische Analyse und Theorie zu erklären (was Gaddis Buch interessant, aber auch angreifbar macht), sondern läßt eher die Ereignisse für sich sprechen. Gut gewählte Abbildungen und Karten ergänzen und illustrieren die Aussagen des Textes angenehm. In der Fülle des von Stöver vorgelegten Materials sind mir zwei kleine Irrtümer aufgefallen: Zum einen verlegt er Los Alamos (der Ort, an dem die Atombombe entwickelt wurde) in die Nähe von Las Vegas (in dessen Nähe zahlreiche Atombombenversuche stattfanden). Los Alamos liegt in der Nähe von Santa Fe/New Mexico. Dort gibt es ein kleines Museum, welches sich mit der Entwicklung und dem Einsatz der Atombombe auseinandersetzt und dessen Gästebuch Stöver interessante Einblicke in die Gedanken der amerikanischen Besucher zur Atombombe gewährt hätte. Zum anderen verwechselt er die Challenger-Katastrophe mit der der Raumfähre Columbia und wertet das Unglück als eine indirekte Folge des kalten Krieges, eine Interpretation, die über das offizielle und gut nachvollziehbare Untersuchungsergebnis deutlich hinaus geht. Dies sei am Rande, aus Spaß an der Kritik, vermerkt - die Freude am Lesen haben diese Beanstandungen nicht getrübt!




Der Kalte Krieg 1947-1991: Geschichte eines radikalen Zeitalters